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Obdachloser in Hamburg Foto: Arthur Kaiser CC BY 3.0

Die Armut der Anderen

Hamburg ist eine reiche Stadt. Das behaupte nicht ich, sondern das statistische Bundesamt. Hamburg ist auch die Kommune mit dem höchsten Pro-Kopf Steueraufkommen in ganz Deutschland. In Hamburg leben ca. 42000 Millionäre und sogar 12 Milliardäre, Vermögen auf Schwarzgeldkonten nicht mit einberechnet. Hamburg ist schön, sauber und es regiert die SPD, nun mit den Grünen. „Hamburg weiter vorn“, wie es die SPD auf ihre Wahlplakate schrieb? Mit GRÜN geht das. Spitzenreiter ist Hamburg aber auch bei der Steigerung der Armutsquote.

Hamburg hat die am stärksten steigende Armutsquote in ganz Deutschland

Es ist nicht die berühmte Kehrseite einer Medaille, kein Versagen der Märkte oder Fehler im System. Es ist genau so, wie es sich die politisch Einflussreichen gedacht haben. Einige Wenige werden durch Einnahmen aus Kapitalvermögen immer reicher und treiben damit den Einkommensdurchschnitt hoch. Erwirtschaftet wird dieser Reichtum von sehr vielen Menschen. Ein immer größer werdender Anteil von ihnen wird abgehängt und verdient trotz Arbeit kaum genug um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Armut sehen wir häufig als die Armut der Anderen. Die Anderen, das sind Alleinerziehende, Arbeitslose, Geringverdiener, ALG-II Empfänger, etc. Mit diesen Anderen identifizieren wir uns nicht, wenn wir von „Wir“ sprechen. Sie sind angeblich „Sozialschmarotzer“ und leben angeblich „auf unsere Kosten“, sie sind angeblich „sowieso selbst schuld an ihrer Lage “, sagen sogar Politiker. Leider gehen diese Anderen tatsächlich selten wählen, weshalb die Politiker auch nichts tun, um ihre Situation zu ändern. Politik ist schließlich etwas für „uns“. Wer arm ist, der verkommt zum Kostenfaktor und Kosten müssen minimiert werden. Wer arm ist, dem werden von den Jobcentern immer häufiger Strafen auferlegt, und erst nach einer Klage vor den – überlasteten – Gerichten werden die vielfachen Fehlentscheidungen zugunsten der Armen wieder revidiert.

Selbst Schuld?

Unternehmen entlassen jedes Jahr tausende Mitarbeiter um Kosten zu sparen. Einige gehen schlicht pleite – nicht selten wegen Managementfehlern. Angestellte verlieren teils nach Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit ihren Job. Die Manager gehen oft mit einem goldenem Handschlag in Millionenhöhe und fahren anschließend das nächste Unternehmen gegen die Wand. Diese „High Performer“ machen natürlich alles richtig, nur die vielen Angestellten sind an ihrer Situation „selbst schuld“.

Sind „wir“ so anders?

„Wir“, das ist die Mittelschicht, die bereits knapp über der Armutsgrenze beginnen kann. Wir sehen uns aber nicht als die „Anderen“. Wir arbeiten in Unternehmen, die niemals pleite gehen werden und auch niemanden entlassen. Wenn doch, dann finden wir sofort einen anderen Job ohne Gehaltseinbußen, wir werden weder chronisch krank, noch passieren uns Unfälle. Wenn das doch nicht klappt, dann reichen die Ersparnisse bis zum Lebensende. Auch die Raten für die vollständig kreditfinanzierte Eigentumswohnung, das geleaste Auto und den ganzen anderen auf Pump gekauften Kram werden „wir“ immer bezahlen können. Wir werden niemals wie die „Anderen“, denen nach 12 Monaten ALG-I und 3 Monaten ALG-II Sanktionen drohen mit anschließendem Verlust der Wohnung oder Zwangsumzug ins Ghetto.

Aber wir sind die Anderen, wir wissen es nur noch nicht.

Was denkst du?