BesserMacher
Foto: Piratenpartei Hamburg Wahlplakat CC BY-SA 3.0

Der neue Immobilienirrsinn

Wer derzeit in einer selbstgenutzten Immobilie wohnt, spart nicht nur Miete, sondern verdient mit der Wertsteigerung oft mehr als mit Arbeitseinkommen. Während vom Brutto wegen Steuern und Abgaben auch nur ein Bruchteil auf dem Konto landet, ist der Gewinn bei einer selbstgenutzten Immobilie bereits nach über zwei Jahren steuerfrei. Dumm nur, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen und ähnlich sichere Anlagen mit gleichen Gewinnaussichten rar sind. Der Ausblick auf die dann noch zu zahlende Miete verdirbt den letzten Rest der Verkaufslaune.

Das Angebot ist knapp, die Nachfrage hoch. Wer dennoch bereit ist, die horrenden Preise zu zahlen, um dabei zu sein, wird sich eher früher als später wünschen, doch lieber Mieter geblieben zu sein. Instandhaltung, Pfusch am Bau und diverse andere Überraschungen sind für den Eigentümer eben nicht gratis. Für den Mieter schon, den schlimmstenfalls zieht wieder um und lässt schimmelige Wohnung mit den lauten Nachbarn hinter sich. Wenn er denn eine ‚bezahlbare‘ Wohnung findet.

Steigende Mieten, als Ergebnis steigender Preise, werden medienwirksam durch die Politik ‚gebremst‘. Nur steigen sie dennoch eher schneller, weil alle irgendwo wohnen müssen. Dieses Irgendwo darf auch immer großzügiger und energieeffizienter sein, nur mehr kosten darf es nicht. Wenn ein Mieter mehr als ein Drittel seines Einkommens für Miete ausgibt, ist es der Untergang des Abendlandes. Wenn ein Vermieter 99,2 % für Zins und Instandhaltung ausgibt, ist es unternehmerisches Risiko und absolut ok. Gerade in den Großstädten sollen sie aber bauen, bauen, bauen und ‚bezahlbare‘ Mieten verlangen.

Das Märchen von der Wohnungsnot

Regelmäßig wird davon berichtet, dass gerade in Großstädten ein absoluter Mangel an Wohnraum herrscht. Mittelschichtsfamilien werden aus der Stadt an den Rand verdrängt und Wohnen ist angeblich unbezahlbar geworden. Wer wenig verdient kann sich wenig oder ungünstiger liegenden Wohnraum leisten. Statt Eingriffen in einen funktionierenden Mietmarkt muss die Politik stärker in den Arbeitsmarkt eingreifen um das Lohnniveau zu heben, Besserverdienende stärker besteuern und Steuer-Schlupflöcher für Unternehmen schließen. Wer mehr Geld in der Tasche hat, kann auch mehr für Miete ausgeben.

Dummerweise sind auch zeitgleich Immobilien, Grundstücke und das Bauen an Sich noch unbezahlbarer geworden. In Zeiten von Minuszinsen und Geldschwämme ist es erschreckend, dass selbst diese als sicher geltende Anlageklasse an Attraktivität verliert. Um dem Risiko angemessene Renditen zu erzielen, müssten noch weitaus höhere Mieten verlangt werden. Bei Neubauten von der Mietpreisbremse ausgenommen, lässt sich dennoch nicht jede Miete am Markt durchsetzen. Auch für Mieter lohnen sich die eigenen vier Wände und die damit verbundenen Vorteile aber auch Einschränkungen gerade in den angeblich ‚nicht mehr bezahlbaren‘ Großstädten nicht mehr. Selbst wenn sie versuchen, ins Umland auszuweichen, sind die Investoren früher dorthin geflüchtet.

Wer eine Wohnung bewohnt, als Mieter oder Eigentümer, bleibt darin wohnen, auch wenn sie eigentlich nicht mehr zur Lebenssituation passt. Lose-Lose-Situation mit einem stagnierenden Markt als Folge. Der Irrsinn geht weiter.

 

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